Auf den folgenden Seiten können Sie das Kartoffeljahr anhand der Arbeit auf unserem Betrieb verfolgen.

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden Kartoffeln vor allem für die Selbstversorgung angebaut. Keine andere Kulturpflanze war in Zeiten der Armut so wichtig wie die Knollen des Nachtschattengewächses. Kartoffelfelder waren in ganz Österreich zu finden – vom trockenen pannonischen Osten bis hinein in die hochgelegenen, niederschlagsreichen Alpentäler. Für den erwerbsmäßigen Kartoffelanbau haben sich heute deutliche Anbauregionen herausgebldet, wo das Weinviertel natürlich dazuzählt.
Die Landschaft des Weinviertels ist vom Getreide- und Weinbau geprägt. Viele Böden sind auch hier für den Kartoffelanbau gut geeignet, allerdings machen die geringen Niederschläge den Bauern oft Sorgen. Die Kartoffeln haben in diesem Gebiet einen ganz anderen Charakter als jene im Waldviertel. Kartoffelfachleute weisen darauf hin, dass diese unterschiedlichen Verhältnisse von Boden und Klima auf den Geschmack der Knollen oft einen größeren Einfluss ausüben können als die Sortenzugehörigkeit. Auffälliges Merkmal ist, dass sie durchwegs viel heller sind und eine ockergelbe Farbe haben. Im Gebiet Stockerau, Korneuburg, Hollabrunn und Wolkersdorf (wo LACHSFELD mitten drin liegt) gibt es heute einen ganz beachtlichen Kartoffelanbau.
Die KNOLLE wurde im 16. Jh. in den Hochplateaus der südamerikanischen Anden von spanischen Gelehrten entdeckt. Überlebende Einheimische bezeichneten sie als „PAPA“. Die Spanier packten die exotische Pflanze in die Tasche und brachten sie mit nach Europa.
Genau so schnell wie sie gekommen war verschwand sie auch wieder. Das Schattengewächs führt nun ein wahres Schattendasein als Wildpflanze zwischen Äcker und Weinbergen Galiciens.
Erst die Klosterbrüder in Sevilla bauten sie an, und setzten sie als Nahrungsmittel für ihre Pflegeheime ein. König Phillip II hörte von der kräftigen Wirkung der Knolle und schickte sie dem gichtkranken Papst Pius IV. Der (ahnungslos) lies sie anbauen und verfütterte sie an die Schweine. So vorsichtig verhielt man sich zu dieser Zeit fast überall in Europa.
Erst die Iren erkannten einen volkswirtschaftlichen Nutzen. In Deutschland gelangt der Durchbruch erst durch Kriege und Hungersnöte. In Österreich tauchte er erstmals 1620 auf – die Mönche von Seitenstetten bauten sie in ihren Klostergärten an. Ca. 20 Jahre später befahl Kaiserin Maria Theresia den Erdäpfelanbau in der Waldviertler Ortschaft Pyrhabruck. Ab diesem Zeitpunkt schreitete die Verbreitung schnell voran, bis Mitte des 19. Jh. Die Kraut- und Knollenfäule zerstörte einen Großteil des Erdäpfelanbaus. Als sich die Knolle von dieser Krankheit erholt hat, fraß sich 1874 der Kartoffelkäfer durch die europäischen Erdäpfelstauden.
Diese 2 Katastrophen innerhalb wenigen Jahrzehnten waren der Anlass, die Pflegetechniken und den Pflanzenschutz zu verbessern und widerstandsfähige Sorten zu züchten. Heute gibt es zu jeder Jahreszeit eine große Auswahl an Sorten. Von der abenteuerlichen, ehrlichen Geschichte der Erdäpfel weiß jedoch kaum jemand, wenn er kulinarische Erdäpfelspezialitäten serviert bekommt.
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